Forschungsgeschichte der Alten Burg Neuburg
Die Alte Burg Neuburg an der Donau hat schon früh das Interesse von Geschichtsschreibern und Heimatkundlern geweckt. Bereits im 16. Jahrhundert erwähnten Johannes Aventinus (Johann Georg Turmair) und Matthäus von Pappenheim die Burg in ihren Aufzeichnungen. Sie berichten übereinstimmend von zwei Anlagen oberhalb Neuburgs: der „Kaiserburg“ und der „Alten Burg“.
Grundrisse der Alten Burg im Wandel der Zeit
Grundriss J. B. Graßegger
(1776-1849)
(Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Im 19. Jahrhundert folgte der Neuburger Heimatforscher Joseph Benedikt Graßegger (1776-1849). Er fertigte den ersten bekannten Grundriss der Alten Burg an – eine Darstellung mit bemerkenswert präzisem Verlauf der Ringmauer und erkennbaren Innenstrukturen. Graßeggers Plan stellt bis heute eine wichtige Quelle für die damals erkennbaren Mauerstrukturen dar und ist in Teilen erstaunlich genau.
Grundriss ca. 1907
(Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Um das Jahr 1907 wurde im Umfeld der Alten Burg offenbar archäologisch gearbeitet. Ein Grundriss aus dem Archiv des Historischen Vereins Neuburg zeigt Mauern in unterschiedlichen Farben, die wohl Ergebnisse damaliger Grabungen widerspiegeln. Auffällig ist insbesondere die Darstellung der östlichen Vorburg sowie des Zwingerbereichs – Details, die sich mit heutigen Geländestrukturen teilweise decken.
Grundriss W. Meyer (ca. 1973)
(Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
1973 entstand eine zeichnerische Rekonstruktion, vermutlich auf Basis der bisherigen Pläne und Geländeanalysen. Diese Darstellung wurde über Jahrzehnte hinweg auf einer Informationstafel an der Burg präsentiert und prägte lange Zeit das öffentliche Bild der Anlage. Sie fand später auch Eingang in digitale Darstellungen (etwa bei Wikipedia), wurde aber nie inhaltlich aktualisiert.
Was können wir heute aus den Erkenntnissen unserer Vorgänger machen?
Die bisherigen Pläne, Beobachtungen und Interpretationen bilden die Grundlage für einen neuen Versuch: Im Rahmen des Arbeitskreises Burgen wurde das gesammelte Wissen gebündelt, kritisch verglichen und digital verarbeitet. Dabei entstand ein neuer Grundriss – nicht als archäologisch gesicherter Plan, sondern als grafische Annäherung an den aktuellen Forschungsstand.
Eingeflossen sind:
- Die historische Zeichnung von Joseph Benedikt Graßegger (1776-1849), die erstmals Ringmauerverläufe und Innenstrukturen der Burg dokumentiert.
- Der farblich differenzierte Plan aus dem Jahr 1907, vermutlich auf Grundlage archäologischer Grabungen.
- Die zeichnerische Rekonstruktion von 1973, die lange das Bild der Burg prägte.
- Digitale Geländemodelle (LiDAR), die feine Geländeformen wie Gräben, Fundamentlinien und Schuttkegel sichtbar machen.
- Systematische Geländebegehungen, bei denen weitere Mauerzüge erkannt wurden, die auf keinem der älteren Pläne verzeichnet sind.
- Digitale Überlagerungen und maßstabsgetreue Vergleiche, die Gemeinsamkeiten und Widersprüche der Pläne sichtbar machen.
Der neue Grundriss des AK-Burgen
Der Plan ist proportional, nicht maßstabsgerecht. Er wurde auf ein digitales Geländerelief gelegt (Hintergrundkarte: © Bayerische Vermessungsverwaltung (2025), Datenquelle: Geoportal Bayern www.geoportal.bayern.de) und soll dabei helfen, die verschiedenen historischen Phasen zu vergleichen. Besonders deutlich lassen sich Strukturen im Bereich der Kernburg erkennen, während die Vorburg noch viele Fragen offenlässt.
Der Grundriss ist also kein finales Ergebnis, sondern ein Arbeitsmittel: eine Skizze, die weiterentwickelt und hinterfragt werden soll – im Dialog mit Gelände, Quellen und neuen Beobachtungen.