Die Torbögen
"Torhaus" der Alten Burg Neuburg
Im nördlichen Teil der Kernburg befindet sich das sogenannte „Torhaus“ – ein Gebäude, das durch zwei markante Bögen auffällt. Der Begriff Torhaus ist dabei nicht mehr als ein Arbeitstitel: Ob es hier tatsächlich Tore gab, ist fraglich. Die Bögen wurden wahrscheinlich erst später eingefügt und waren ursprünglich wohl keine Zugänge. Das Gebäude selbst war einst deutlich höher und repräsentativer gestaltet. In den oberen Geschossen befanden sich mehrere große Fenster, durch die man weit über die Donau blicken konnte. Historische Fotos zeigen, dass die heutigen Bögen erst im 20. Jahrhundert ihre jetzige Form erhielten. Die folgenden Aufnahmen und Erläuterungen geben einen Einblick in diese Entwicklung.
Das große "Tor" in der Nordmauer
Bild: Torbogen in der nördlichen Außenmauer (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Der erste auffällige Bogen befindet sich in der nördlichen Außenmauer des Torhauses, die zugleich die nördliche Begrenzung der Kernburg bildet. Auf dem Bild ist der ursprüngliche Mauerausschnitt markiert. Handelt es sich dabei um ein Tor, ein Fenster oder nur einen schlichten Durchbruch?
Das innere Tor
Bild: Torbogen in der westlichen Innenmauer (heute) (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Der zweite Bogen liegt in der westlichen Innenmauer des Torhauses und führt ins Innere der Kernburg. Auch hier wurde der ursprüngliche Mauerausschnitt markiert. Ob es sich dabei tatsächlich um ein Tor handelte, ist schwer zu erkennen.
Das große "Tor" in der Nordmauer um 1900
Bild: Nördlicher Bogen um 1900 (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Auf einer frühen Aufnahme von etwa 1900 ist der Bogen in der Nordmauer ohne Ausmauerung zu sehen – nur ein schlichter Mauerdurchbruch, ohne Bogenform oder Sturz.
Der innere "Torbogen" um 1900
Bild: Innerer Bogen um 1900 (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Auch der innere Bogen erscheint um 1900 noch unverändert: keine Ziegel, keine Bogenkonstruktion, lediglich eine offene Wand. Auf dem Foto sind rechts auf der Nordwand noch die Reste mehrerer großer Fensteröffnungen zu erkennen, die einst den oberen Teil des Gebäudes prägten. Sie deuten darauf hin, dass das Bauwerk ursprünglich deutlich höher war und von hier aus ein weiter Blick über das Donautal möglich war – ein Hinweis auf die einst repräsentative Funktion dieses Gebäudeteils.
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Video: Mauervergleich des Nordgebäudes (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Dieses Video überblendet die heutigen Mauerreste mit einer historischen Aufnahme um 1900. Dadurch werden die ursprünglichen Ausmaße des Gebäudes – insbesondere die Höhe der westlichen Giebelseite und die Fenster an der Nordseite – anschaulich nachvollziehbar.
Ausmauerung der Bögen vor 1975
Bild: Innerer Bogen 1965 (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Ein Foto von 1965 zeigt den inneren Bogen bereits mit Ziegeln ausgemauert. Der Umbau fand also zwischen 1900 und 1965 statt, lange vor der großen Restaurierung in den 1970er-Jahren.
Unklarer ursprünglicher Zweck
Bild: 3D-Scan der beiden "Tore" (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Ob diese Öffnungen tatsächlich Zugänge waren, ist fraglich. Der äußere Bogen liegt heute halb im Boden, der innere ist hoch und schmal. Zudem liegen beide Öffnungen um ein halbes Geschoss versetzt. Fenster oder andere Funktionsöffnungen sind ebenso denkbar.
Sicher ist nur: Die heutige Gestaltung stammt nicht aus der Bauzeit. Jedes Detail der Burg führt bei genauerer Betrachtung zu weiteren spannenden Fragen: Wie hat dieses Gebäude ursprünglich ausgesehen? Sind die Öffnungen einfache Durchbrüche, Fenster oder eingestürzte Mauerbereiche?