Bauphasen der Alten Burg
Die Alte Burg Neuburg ist kein Bauwerk aus einem einzigen Guss. Die erhaltenen Mauern sprechen vielmehr dafür, dass die Anlage im Laufe ihrer Geschichte mehrfach verändert und umgebaut wurde. Besonders deutlich zeigt sich dies an der Westmauer, an der sich mindestens zwei Bauphasen erkennen lassen.
Die Westmauer als Schlüssel zur Baugeschichte
Im unteren Bereich der Westmauer finden sich große, gut bearbeitete Steine. Sie vermitteln den Eindruck eines qualitätvoll ausgeführten älteren Mauerwerks. Weiter oben verändert sich das Bild jedoch deutlich: Dort wurden kleinere Steine, mehr Füllmaterial und insgesamt eine einfachere Bauweise verwendet. Der Unterschied ist so markant, dass hier von mindestens zwei klar unterscheidbaren Bauphasen auszugehen ist.
Die jüngere dieser Bauphase kann aufgrund unserer Untersuchungen gesichert an den Beginn des 14. Jahrhunderts datiert werden. Damit liegt erstmals überhaupt eine eindeutige Datierung eines Bauteils der Alten Burg vor.
Hinweise auf einen größeren Umbau
Vieles spricht dafür, dass es sich bei dieser jüngeren Bauphase nicht nur um eine kleine Ausbesserung handelte. Vielmehr scheint die Burg damals in größerem Umfang umgestaltet worden zu sein. Darauf weisen auch die vereinzelt und ohne erkennbares System eingemauerten Buckelquader hin. Es liegt nahe, dass sie aus einem älteren Bauzusammenhang stammen und später erneut verwendet wurden.
Solche Wiederverwendung ist im Mittelalter keineswegs ungewöhnlich. Bereits bearbeitete Steine waren wertvoll und wurden daher häufig aus älteren Bauteilen entnommen und in veränderter Form erneut verbaut. An der Alten Burg könnten diese Buckelquader somit ein Hinweis darauf sein, dass beim Umbau ältere Gebäude oder Mauerteile teilweise abgetragen und ihr Material in die jüngere Bauphase übernommen wurde.
Was bedeutet „Altenneuenburch“?
Auch eine schriftliche Quelle könnte zu diesem Befund passen. Im Hausvertrag von Pavia von 1329 erscheint die Bezeichnung „Altenneuenburch“. Viele deuten diesen Ausdruck so, dass die Burg damals bereits als „alte“ Burg wahrgenommen wurde – möglicherweise, weil sie zeitweise nicht mehr genutzt wurde oder ihre frühere Bedeutung verloren hatte.
Aus der Formulierung allein lassen sich keine sicheren Schlüsse ziehen. Sie ist jedoch ein interessantes Indiz, das sich mit den Beobachtungen am Mauerwerk in Beziehung setzen lässt. So ergibt sich aus mehreren Hinweisen eine vorsichtige, aber nachvollziehbare Deutung.
Eine Burg mit bewegter Entwicklung
Schon heute zeichnet sich damit ein spannendes Bild ab: Die Alte Burg blieb offenbar nicht über längere Zeit unverändert, sondern wurde sichtbar umgestaltet. Die Westmauer bewahrt diese Geschichte bis heute im Mauerbild selbst. Unten steht das ältere, qualitätvolle Mauerwerk, darüber eine jüngere Bauphase mit anderer Technik, kleinerem Steinmaterial und mehr Füllmaterial.
Viele Fragen sind noch offen. Doch bereits jetzt zeigt sich, dass die Burg eine bewegte bauliche Entwicklungdurchlaufen hat und ihr heutiger Zustand das Ergebnis mehrerer Bau- und Umbauphasen ist.