Rekonstruktionsversuche Alte Burg Neuburg
Die folgenden Darstellungen sind künstlerische Annäherungen an das mögliche Erscheinungsbild der Alten Burg. Die vorhandenen Befunde lassen viel Interpretationsspielraum, der hier bewusst genutzt wird.
Rekonstruktionsversuch von J. B. Graßegger 1. Hälfte 19. Jhd. (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
"So möchte die Alte Burg einst ausgesehen haben"
Diese Zeichnung zeigt einen frühen Rekonstruktionsversuch der Alten Burg Neuburg aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dargestellt ist die Burg von Norden. Im Vordergrund erkennt man die nördliche Zwingermauer, die heute fast vollständig verfallen ist. Graßegger zeichnet im Bereich des sogenannten „Torhauses“ einen Torbogen ein und ergänzt an der Nordmauer der Kernburg ein großes Tor. Auffällig ist zudem der Rauch, der aus einem Kamin im Torhaus aufsteigt – ein Hinweis auf eine beheizbare Kemenate, die Graßegger hier annimmt.
Rekonstruktionsversuch von Michael Eckstein 1972 (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Diese Zeichnung von Michael Eckstein aus dem Jahr 1972 zeigt die Alte Burg Neuburg von Süden, mit Blick über den Halsgraben. Eckstein verortet den Hauptzugang zur Kernburg im Bereich zwischen Bergfried und großer Westmauer. Dort befand sich ein Torbogen, der heute nicht mehr erhalten ist und nur noch durch eine Reihe markanter Lagersteine in der Westmauer angedeutet wird. Fotografien aus der Zeit vor der Restaurierung belegen jedoch, dass dieser Durchgang damals noch deutlich sichtbar war.
Auffällig ist die von Eckstein rekonstruierte Zugbrücke, die den Halsgraben überspannt und direkt zu diesem Tor führt. Eine solche Brücke wäre jedoch mehr als 30 Meter lang gewesen und hätte zur Burg hin einen Höhenunterschied von über vier Metern überwinden müssen. Ob eine derart große und steil ansteigende Zugbrücke tatsächlich existierte, bleibt daher eine offene Frage und zeigt den erheblichen Interpretationsspielraum dieser Rekonstruktion.
Rekonstruktionsversuch von Werner Meyer 1973 (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Dieser Rekonstruktionsversuch von Dr. W. Meyer aus dem Jahr 1973 zeigt die Alte Burg Neuburg aus südöstlicher Perspektive. Im Unterschied zu anderen Entwürfen lässt Meyer die Frage des Zugangs zur Kernburg bewusst offen und verzichtet auf eine konkrete Rekonstruktion von Brücke oder Toranlage.
Der Torbogen zwischen Bergfried und westlicher Schildmauer ist jedoch auch in dieser Darstellung erkennbar und wird als bauliches Element berücksichtigt. Die Zeichnung konzentriert sich insgesamt stärker auf die räumliche Staffelung der Gebäude und Mauern als auf funktionale Details und verdeutlicht damit einen zurückhaltenderen Umgang mit den Unsicherheiten der Befundlage.
Rekonstruktionsversuch von Jürgen Polifke 2024 (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Diese Rekonstruktion stammt von Jürgen Polifke, dem Sprecher des Arbeitskreises Burgen, und entstand im Jahr 2024. Sie zeigt die Alte Burg Neuburg aus der Perspektive des südöstlichen Endes des Halsgrabens – von jenem Standort aus, an dem sich heute die Informationstafel befindet.
In diesem Entwurf wird eine Brücke angenommen, die vom südöstlichen Bereich über den Halsgraben in den Zwinger geführt haben könnte. Auch hier hätte eine Distanz von rund 25 Metern überwunden werden müssen. Der Rekonstruktionsversuch greift damit eine alternative Zugangssituation auf und macht zugleich deutlich, wie eng topographische Gegebenheiten und bauliche Überlegungen miteinander verknüpft sind. Die Darstellung versteht sich ausdrücklich als Annäherung und als Diskussionsgrundlage im Umgang mit einer weiterhin offenen Befundlage.
Rekonstruktionsversuch auf Basis einer Zeichnung von Jürgen Polifke, KI-Bearbeiter: Alexander Strauß, 2025 (Quelle: Historischer Verein Neuburg an der Donau e. V.)
Dieser Rekonstruktionsversuch aus dem Jahr 2025 basiert auf Zeichnungen von Jürgen Polifke und wurde mithilfe künstlicher Intelligenz umgesetzt. Die KI wurde mit den zeichnerischen Vorlagen gespeist und von Alexander Strauß gezielt angeleitet, um daraus eine weiterführende visuelle Darstellung zu entwickeln.
Die Rekonstruktion zeigt die Alte Burg Neuburg aus einem südöstlichen Blickwinkel. Gut erkennbar sind die Brücke über den Halsgraben sowie der mächtige Bergfried, der das Erscheinungsbild der Anlage prägt. Der Zugang zur Kernburg wird in diesem Entwurf nicht auf der Südseite verortet, sondern an anderer Stelle angenommen. Auch diese Darstellung versteht sich nicht als endgültige Lösung, sondern als visuelle Annäherung auf Grundlage bestehender Überlegungen und offener Fragen.
Mögliche Erscheinungsbilder der Alten Burg
Die Rekonstruktionsversuche der Alten Burg Neuburg zeigen künstlerische Entwürfe, die sich an archäologischen Befunden, historischen Plänen und vergleichbaren Burganlagen orientieren. Aufgrund der lückenhaften Quellenlage bleibt dabei bewusst Raum für Interpretation. Ziel ist es, mögliche Erscheinungsformen der Alten Burg sichtbar zu machen und neue Fragen zur Baugeschichte der Anlage anzuregen.