Antike Spuren auf der Alten Burg Neuburg?

Bild: Matthäus von Pappenheim war einer der frühen Forscher auf der Alten Burg Neuburg

Matthäus von Pappenheim (Quelle: Truchsessenchronik, Exemplar der WLB Stuttgart Cod. Donaueschingen 590 S. 2)

Aventinus, Matthäus von Pappenheim und der römische Stein

Bereits im 16. Jahrhundert fanden die Überreste der Alten Burg Neuburg Beachtung. Johannes Aventinus (Johann Georg Turmair) und Matthäus von Pappenheim erwähnten in ihren Schriften zwei Burgen oberhalb Neuburgs: die „Kaiserburg“ (auch „Calatinum“ oder „Calentinum“) und die „Alte Burg“ (Atilia bzw. Altoburgum). Beide Männer waren Zeitgenossen und möglicherweise im Austausch miteinander.


In ihren Aufzeichnungen taucht auch der Hinweis auf, an der Alten Burg seien römische Steine, sogar Grabinschriften, gefunden und nach Neuburg gebracht worden. Eindeutige Belege fehlen jedoch. 

Sollte es sich um ein antikes Fragment gehandelt haben, bleibt offen, ob der Stein tatsächlich aus römischer Zeit an Ort und Stelle stammte – oder ob er erst später dorthin gelangte. Ebenso denkbar ist, dass ein Stein vorgefunden wurde, der zufällig geeignet war, einen Bezug zur römischen Vergangenheit zu konstruieren und so den Rang des Fundortes oder seines Berichtenden zu erhöhen.


Dabei muss bedacht werden, dass Aventin und Pappenheim in einer Epoche wirkten, die stark von der Bewunderung der Antike geprägt war. In der Renaissance galt die Rückbesinnung auf Rom als Ideal, und viele Gelehrte suchten bewusst nach Verbindungen zur römischen Vergangenheit. Aventin selbst wählte einen latinisierten Namen nach seiner Heimatstadt Abensberg, um seine Nähe zur römischen Tradition zu betonen. 

Zudem unterschied er kaum zwischen der römischen Antike und der romanischen Baukunst des Hochmittelalters, die er als Fortführung der römischen Architektur verstand. Gerade deshalb finden sich in seinen Arbeiten zahlreiche Unstimmigkeiten, da er Baumerkmale und Stilepochen oft miteinander vermischte und damit zu Fehlinterpretationen kam.


Sollte es tatsächlich römische Steine auf der Alten Burg gegeben haben, könnte ihr Ursprung auch außerhalb gelegen haben. Bekannt ist, dass im Frühmittelalter Quader aus dem Apollon-Grannus-Tempel in Faimingen abgetragen und donauabwärts verschifft wurden. Möglicherweise gelangten auch die von Aventin erwähnten Steine auf diesem Weg nach Neuburg – beweisen lässt sich dies bislang jedoch nicht.

Aventinus über die Alte Burg

Quelle: Aventinus Annales Boiorum (MDZ / Digitale Bibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek)

In seinen Annales Boiorum beschreibt Johannes Aventinus im 16. Jahrhundert die Burgen oberhalb Neuburgs. Der hier gezeigte Auszug nennt sowohl die Kaiserburg als auch die Alte Burg und berichtet von alten Steinen, die dort gefunden und nach Neuburg gebracht worden seien.

Inde ad octavum lapidem, occidentem versus, supra Neoburgum urbem, ostenduntur, & videntur duarum arcium vestigia, Calatinum, sive Galeodunum, & Atilia: illam Calatin, atque Caesarisburgium, hanc Altoburgum accola nunc appellat. Vetusti lapides, qui ibi fuere, Neoburgium translati sunt.

Von dort, beim achten Meilenstein, nach Westen hin, oberhalb der Stadt Neuburg, werden die Überreste zweier Burgen gezeigt und sind zu sehen: Calatinum, auch Galeodunum genannt, und Atilia. Jene nennt man Calatin und auch Caesarisburgium, diese aber nennen die Einheimischen nun Altoburgum. Alte Steine, die dort waren, sind nach Neuburg übertragen worden.

Dieser Hinweis auf „alte Steine“ wird häufig so gedeutet, dass Aventinus von römischen Fragmenten sprach. Eindeutige Belege für deren Herkunft gibt es jedoch nicht – sie könnten ebenso gut später dorthin gelangt sein.